Das Meer Bernhard Kellermann

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Kindle Edition

193 pages


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Das Meer  by  Bernhard Kellermann

Das Meer by Bernhard Kellermann
| Kindle Edition | PDF, EPUB, FB2, DjVu, audiobook, mp3, RTF | 193 pages | ISBN: | 6.47 Mb

Wir hatten alles, was das Herz begehrt. Wir hatten Frauen die Fülle, wir hatten zu trinken, wir hatten Stürme, die mit achtzig Seemeilen Geschwindigkeit dahinfegten. Wir brauchten nichts, merci, hebe dich hinweg —Auf unserer Insel gab es weder BaumMoreWir hatten alles, was das Herz begehrt. Wir hatten Frauen die Fülle, wir hatten zu trinken, wir hatten Stürme, die mit achtzig Seemeilen Geschwindigkeit dahinfegten. Wir brauchten nichts, merci, hebe dich hinweg —Auf unserer Insel gab es weder Baum noch Strauch.

Wie ein in Schutt zerfallenes Gebirge sah sie aus, und ringsum keuchten die Klippen in der Brandung. Tag und Nacht aber donnerte es, horch! Das war das Meer. Es wehte, immerfort schrie der Wind, und wenn ein Mensch über die Heide ging, so flatterte er wie eine zerfetzte Fahne.

Zu jeder Stunde bei Tag und bei Nacht schrillten die Möwen, denn ihnen gehörte Insel und Meer. Manchmal versank die Insel buchstäblich unter ihrem markerschütternden, feilenden Lärm. Wenn ich da draußen bei den Klippen schwamm, so reckten sie unruhig die weißen Köpfe, es waren ihrer drei, fünf, zehn, aber sobald ich näher kam, waren es Hunderte, Tausende.

Sie umkreisten mich schrillend wie eine wetternde Wolke und mich erfaßte eine mystische Furcht, denn es waren ihrer so viele. Sie schreien noch oft in meinen Träumen.En route! Das Großsegel donnert und wir jagen dahin. Unsere Muskeln sind hart und unsere Herzen stählern und klingend — — —Wann aber meine Augen zum erstenmal auf Rosseherre fielen, kann ich nicht mehr sagen. Ich weiß nur, daß es an einem Posttag im Frühjahr war. Rosseherre war das einzige blonde Mädchen auf der Insel, und es ist möglich, daß sie gerade deshalb Eindruck auf mich machte. Sie war eigentlich nicht blond, sondern gelb, wenn man so sagen kann.

All die andern dagegen waren schwarz und ich kannte sie alle.Zuweilen unternahmen wir eine Expedition, Yann, der „kleine Kapitän“, Poupoul, mein Hund, und ich, und auf diesen Entdeckungsreisen machte ich ihre Bekanntschaft. Es gab auf der Insel dreimal mehr Frauen als Männer, denn die Männer machten Dienst auf den Schiffen, Gott weiß, wo sie waren. Solange sie jung waren, waren sie schön, und alten gingen wir aus dem Wege. Braun gebacken von der Sonne waren sie und das Blut glühte in ihren Wangen und Augen, als ob sie gerade aus einem heißen Ofen kämen.

Sie hatten weiße, starke Gebisse und pechschwarzes Haar, das sie offen trugen bis zu den Schultern herab. Sie waren einfältigen Herzens, munter und laut und zögerten nicht lange, denn es fehlte ihnen an Zeit und Auswahl.Yann und ich setzten in irgendeiner kleinen Bar Dampf auf, dann sah mich Yann mit feuchtglänzenden Augen an und puffte mich: „Hehe?“„Schön!“ sagte ich.

Yann und ich verstanden einander auf eine nahezu mysteriöse Art.„Aber noch ein Glas! He, Patron, noch ein Glas, rasch!“Wir brachen auf. Wir schlugen sofort ein derartig rasches Tempo an, als gälte es Leben oder Tod. Nicht eine Minute Zeit hatten wir zu versäumen.„Nur keine großen Umstände gemacht, hörst du?“ sagte Yann.

„Sie warten nur darauf —“„Tiens!“ sagte ich, ärgerlich über Yanns ewige Bevormundung. „Habe ich je Umstände gemacht? Sakrenomdedü“ —„Allons, allons!“ Yann lachte.Es war Nacht, alles schlief. Die Leuchtfeuer suchten nach uns wie riesige Blendlaternen und wir schlichen wie Diebe zwischen den Hütten dahin.

Oft mußten wir uns hinter eine niedrige Mauer ducken um nicht gesehen zu werden. „Nieder!“ kommandierte Yann.



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